Forschung

Aktuelle Forschung

2026 – (laufend)

„Lesbian and Gay Liberation Beyond the Metropolis: Queer Lives and Politics in the Danish province c. 1965–1985 (QProvince)“, gefördert vom Dänischen Freien Forschungsfonds (DFF).

QProvince untersucht queeres Leben und queere Politik in der dänischen Provinz von 1965 bis 1985 und hinterfragt die Vorstellung, dass sexuelle Befreiung ausschließlich aus der Großstadt Kopenhagen hervorging. Das Projekt zeigt, wie schwule Männer, lesbische Frauen und andere queere Menschen in den dänischen Provinzstädten und ländlichen Gebieten Lebensformen, Gemeinschaften und politischen Widerstand schufen – oft im Verborgenen, aber nicht ohne Bedeutung. Durch die Kombination von Archivforschung, mündlichen Lebensgeschichten, mikrohistorischer Analyse und visueller Ethnografie beleuchtet QProvince sowohl organisierten Aktivismus als auch die diskreteren Formen des Widerstands im Alltag: die Mitwirkung in lokalen Vereinen, die Gestaltung des häuslichen Umfelds, Beziehungen innerhalb der lokalen Gemeinschaft und Strategien, um sich anzupassen – oder sich abzugrenzen. Das Projekt liefert neue Erkenntnisse darüber, wie sich queeres Leben in lokalen Räumen entfaltet und umfassendere gesellschaftliche Veränderungen beeinflusst hat – oft auf eine Weise, die in der nationalen Geschichtsschreibung übersehen wird. Indem QProvince die Provinz als aktiven und bedeutenden Ort der queeren Geschichte untersucht, nuanciert es etablierte Vorstellungen von Dänemark als einem Land, das zwischen progressiver Großstadt und traditionsgebundener Provinz gespalten ist. Dies eröffnet neue Perspektiven auf sexuelle Staatsbürgerschaft und fördert den Dialog über kulturelle und politische Unterschiede zwischen Zentrum und Peripherie – sowohl im Dänemark der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.

Projektteilnehmer: Michael Nebeling Petersen (Forschungsleiter, Universität Kopenhagen), Niels Nyegaard (Universität Kopenhagen) und Tea Dahl Christensen (Museum Vestfyn)

Queer in der Provinz_Museum Ernst

2024–2026 (abgeschlossen):

„Queer in der Provinz“ – gefördert vom Forschungsausschuss des Kulturministeriums (KFU)

Das Leben und Wirken des Silberschmieds Frederik Ernst (1892–1976) als Homosexueller in Assens bildete den konkreten historischen Hintergrund für das Projekt, das untersucht hat, wie queere Praktiken in ihren geografischen, historisch spezifischen Kontexten ausgeübt und verstanden wurden. Queere Praktiken werden im weiteren Sinne verstanden und umfassen gleichgeschlechtliche Beziehungen sowie geschlechtsübergreifende soziale Praktiken. „Queer in der Provinz“ ist der erste Beitrag, der die analytische Schnittstelle zwischen Queerness und Provinz im dänischen Kontext in den Vordergrund rückt. Bislang wurde die dänische Queer-Geschichte ausgehend von der Großstadt erforscht. Das Projekt hat neue Erkenntnisse über einen Teil der dänischen Geschichte geliefert, über den wir bisher nur sehr wenig wissen, nämlich über queere Praktiken in der Provinz.

Das Projekt wurde vom Museum Vestfyn getragen, das in den letzten Jahren die Attraktion ERNST in Assens zu einem Ort weiterentwickelt hat, an dem auch queere Geschichte vermittelt wird. Ausgangspunkt hierfür ist der homosexuelle Silberwarenhersteller Frederik Ernst. Das Ziel des Projekts bestand zum einen in der ultralokalen ERNST-Fallstudie, die anhand von Briefen an den Fabrikanten die kulturellen Vorstellungen von männlichen homosozialen Beziehungen im Zeitraum 1930–1950 beleuchtet, und zum anderen in einer Erschließung des Feldes der Queer-Geschichte, die neue Erkenntnisse über queere Praktiken in der Provinz liefert.

Projektteilnehmerin: Tea Dahl Christensen (Museum Vestfyn)

Das Gesamtprojekt mündete in einer Anthologie mit dem Titel „Queer i Provinsen“, die Beiträge von 13 maßgeblichen Autor*innen und Wissenschaftler*innen aus diesem Bereich enthält. Die Anthologie wurde von Tea Dahl Christensen (Museum Vestfyn) und Peter Edelberg (Universität Kopenhagen) herausgegeben. Die Veröffentlichung wurde vom Forschungsausschuss des Kulturministeriums und der Dansk Tennis Fond unterstützt.